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Landeshauptstadt Stuttgart

Rathaus

Verabschiedung von Bürgermeister Martin Schairer

Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat den Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, Dr. Martin Schairer, am 12. November im Rathaus offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Dr. Martin Schairer

Nach über 14 Jahren im Amt, zunächst zuständig für die Ressorts Recht, Sicherheit und Ordnung, mit der Änderung der Geschäftskreise 2016 dann für Sicherheit, Ordnung und Sport, ist Schairer nach Vollendung seines 68. Lebensjahrs Ende Oktober in den gesetzlichen Ruhestand getreten. Corona‐bedingt war die Verabschiedung nur mit wenigen Teilnehmern und ohne geladene Gäste möglich. Sie wurde per Livestream übertragen und kann hier im Video angesehen werden.

Verabschiedung von Dr. Martin Schairer im Video

Verabschiedung von Dr. Martin Schairer
Video: Verabschiedung von Dr. Martin Schairer. Rechts von ihm sitzt seine Frau Ulrike Zeitler.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte bei der offiziellen Verabschiedung: „Im Rathaus kann man es sich ohne Sie schwer vorstellen. Sie waren immer ein Mann der Vermittlung. Als Sicherheits- und Ordnungsbürgermeister haben Sie immer zuerst auf Gespräche, Integration und Ausgleich gesetzt. Dabei waren Sie immer überzeugt von der Herrschaft des Rechts und der Staatsorgane und wenn es nicht anders ging, haben Sie die Möglichkeiten des Rechtsstaats ausgeschöpft. Ihr Motto war: So viel Freiheit wie möglich, so viel Sicherheit wie nötig. Unter Ihnen als Polizeipräsident und Bürgermeister hat sich Stuttgart Schritt für Schritt zu einer der sichersten Großstädte Deutschlands entwickelt. Für Ihr Engagement all die Jahre möchte ich mich bedanken. Klar ist: Wir schicken einen in den Ruhestand, den wir eigentlich noch brauchen können.“

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, persönliche Worte an den scheidenden Bürgermeister zu richten: „Als Ordnungs- und Sicherheitsbürgermeister haben Sie Einsatz, Verantwortung und Pflichtbewusstsein gezeigt. Es war für Sie nicht nur irgendein Job, es war eine Berufung. Ihre Leidenschaft galt der Stadt Stuttgart und ihren Bürgerinnen und Bürgern. Selbst wenn schon das nächste Problem auftauchte, war das eine gerade erst gelöst, haben Sie unermüdlich weitergemacht. Ihre Tätigkeit haben Sie nie als beschwerlich empfunden, sondern als ständige Herausforderung.“

Als Vertreterin des Referats Sicherheit, Ordnung und Sport lobte Dorothea Koller, Leiterin des Amts für öffentliche Ordnung: „Auf Sie und Ihr Krisenmanagement war stets Verlass. Ihre Unterstützung war uns immer sicher: Sie haben mit uns gelacht, gelitten und gestritten.“
Für die Feuerwehr sprach Thomas Häfele, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbands, der Schairer zum Ehrenmitglied des Verbands ernannte, und für den Sportkreis Stuttgart dessen Präsident Fred-Jürgen Stradinger, der ihm die Ehrenplakette überreichte.


Zum Schluss trat Dr. Martin Schairer selbst ans Rednerpult: „Ich danke für die überwältigenden Worte, die heute Abend und in den vergangenen Tagen und Wochen an mich herangetragen wurden. Meine Arbeit als Bürgermeister war anstrengend und fordernd, aber sie hat mir stets Spaß gemacht. Ohne meine loyalen und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre ich aber nichts gewesen. Allen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, möchte ich selbst ein großes Dankeschön aussprechen. Die Zeit, die Erlebnisse und Erfahrungen möchte ich nicht missen. Und auch wenn ich mich jetzt in den Ruhestand verabschiede: Ich bleibe ein Fan dieser wunderbaren Stadt Stuttgart!“

Leben und Wirken von Dr. Martin Schairer

Dr. Martin Schairer, 1952 in Stuttgart geboren und aufgewachsen, ging nach dem Abitur 1971 zum Studium der Rechtswissenschaften an die Eberhard‐Karls‐Universität nach Tübingen. Dort war Schairer wissenschaftlicher Assistent an den Lehrstühlen Prof. Dr. Lenckner, Straf‐ und Strafprozessrecht, und Prof. Dr. Dürig, Öffentliches Recht.

1982 kehrte Schairer in seine Heimatstadt zurück und trat als Richter beim Amtsgericht Stuttgart in den Justizdienst des Landes Baden‐Württemberg ein. Später war er als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart unter anderem für die Verfolgung politisch motivierter Straftaten im rechtsextremistischen Bereich zuständig.

Vom Justizministerium wurde Schairer in die Landesvertretung Baden‐Württemberg in die damalige Bundeshauptstadt Bonn als Beobachter entsandt. 1988 kehrte er zurück nach Stuttgart und wurde Pressesprecher und stellvertretender Zentralstellenleiter für die Justizminister Dr. Heinz Eyrich, Dr. Helmut Ohnewald und Dr. Thomas Schäuble. Seine letzte Station im Justizministerium war 1993 die Berufung zum Referatsleiter Strafprozessrecht und stellvertretenden Leiter der Strafrechtsabteilung.

„So viel Freiheit wie möglich und so viel Sicherheit wie nötig“

Den Justizdienst des Landes verließ Schairer auf Bitten des damaligen Innenministers Dr. Thomas Schäuble, der den promovierten Juristen auf den besonders anspruchsvollen Posten des Polizeipräsidenten der Landeshauptstadt Stuttgart haben wollte. Dieses Amt übernahm Martin Schairer zum 1. März 1999.

Sein Hauptaugenmerk legte er dort auf die Bekämpfung der Jugendkriminalität. So setzte er die von seinem Vorgänger initiierte Idee eines „Hauses des Jugendrechts“ um. Aber auch die Verhinderung von Straftaten und die Bewältigung großer polizeilicher Lagen waren Schairer wichtig und entsprachen dem Motto, das er von einem ehemaligen Stuttgarter Polizeistrategen übernommen hatte und inzwischen bekannte Stuttgarter Linie ist: „So viel Freiheit wie möglich und so viel Sicherheit wie nötig.“

Für eine sichere Stadt

Dieses Motto übernahm Schairer auch bei seinem Wechsel zum 1. Mai 2006 in die Politik, nachdem er vom Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart zum Bürgermeister für Recht, Sicherheit und Ordnung gewählt worden war. Damit war Schairer auf kommunaler Seite verantwortlich für das Rechtsamt, das Standesamt, für die Branddirektion samt Freiwilliger Feuerwehr, für das Statistische Amt und als Wahlleiter für die Durchführung von Wahlen. Weiter gehörten zu seinem Zuständigkeitsbereich das Amt für öffentliche Ordnung mit seinen vielfältigen Aufgaben für Lebensmittelüberwachung, Verkehrs‐, Ausländer‐, Waffen‐, Gaststätten‐ sowie Meldebehörde, weiterhin die Bürgerbüros und die Stabsstelle der Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft der Kommunalen Kriminalprävention.

Schairer wechselte zur Stadt Stuttgart im Jahr der Fußballweltmeisterschaft, die in Stuttgart so überaus erfolgreich gefeiert wurde. Seiner Initiative ist es unter anderem zu verdanken, dass rechtzeitig zur Weltmeisterschaft die Integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ) eröffnet werden konnte.

Bürgermeister Schairer hat die dezentrale Sicherheitspartnerschaft, bestehend aus Bürgerschaft, Rathaus und Polizei, in der Stadt weiter ausgebaut. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Partnern hat über die vergangenen zwei Jahrzehnte dazu beigetragen, dass Stuttgart sich als eine der sichersten Großstädte der Bundesrepublik bezeichnen kann. Auch das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger, die in den regelmäßigen zweijährigen Umfragen gefragt werden, ist nach wie vor hoch.

Als Ordnungsbürgermeister richtete Schairer zudem besonderes Augenmerk auf den sicheren Ausbau aller Mobilitätsformen in der Landeshauptstadt: vom Parkraummanagement, das im Stuttgarter Westen beginnend erfolgreich etabliert wurde, bis zu der Förderung des Ausbaus von Radwegen und des Fußgängerverkehrs.

Sportbürgermeister mit sozialem und gesellschaftlichem Anliegen

Nach der Änderung der Geschäftskreise im Jahr 2016 gab Dr. Schairer das Rechts‐ und das Standesamt ab und übernahm die Verantwortung für den Sport in der Landeshauptstadt. Als Sportbürgermeister standen für ihn die über 300 Sportvereine von da an im Zentrum der Sportpolitik. Schairer war die Erhaltung und Pflege der Vereinslandschaft ein sportliches wie auch ein soziales und gesellschaftliches Anliegen.

Als einer seiner ersten Maßnahmen organisierte Schairer eine Schwimminitiative (schwimmfit), um die Schwimmfähigkeit der Stuttgarter Kinder zu verbessern. Erste Fortschritte sind bereits festzustellen. Der Masterplan urbane Bewegungsräume wurde unter Schairer ebenso beschlossen, wie die vom Gemeinderat gebilligte Konzeption, in Stuttgart ausreichend Sporthallen bis ins Jahr 2030 bereitzustellen. Auch der Ausbau des Olympiastützpunkts sowie der sportlichen Infrastruktur im
Neckarpark, einer der größten Sportgebiete in der Bundesrepublik überhaupt, standen auf Schairers Tätigkeitsliste.

In zahlreichen Gremien vertreten

Schairer ist Mitglied der CDU Stuttgart und auch Mitglied im Bundesarbeitskreis Christlich‐Demokratischer Juristen (BACDJ). Er ist in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien vertreten, so etwa im Vorstand des European Forum for Urban Security (EFUS). Er war lange Jahre Vorsitzender des Deutsch‐Europäischen Forums für urbane Sicherheit (DEFUS), Vorsitzender des Rechts‐ und Verfassungsausschusses des Landes Baden‐Württemberg und im Bund, sowie Sprecher der Gesellschaft für Christlich‐Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart (GCJZ). 2019 ist er als städtisches Mitglied im Rat der Religionen vom Oberbürgermeister zum ersten Religionsbeauftragten der Stadt Stuttgart bestellt worden.

Schairer ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Sport betreibt der Sportbürgermeister nicht nur am Schreibtisch für die Sportverwaltung, sondern auch als aktives Mitglied beim MTV Stuttgart.

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