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Landeshauptstadt Stuttgart

Klima‐News aus dem Rathaus im Dezember 2020

3 Fragen an … Dr. Jürgen Görres, Leiter der Energieabteilung

Klimaschutz ohne Energiewende? Undenkbar. Auch in Stuttgart spielt die Umstellung auf erneuerbare Energien eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt. Dr. Jürgen Görres leitet die Energieabteilung im Amt für Umweltschutz. Wir haben mit ihm über die Umsetzung der Energiewende in Stuttgart gesprochen.

Dr. Jürgen Görres, Leiter der Energieabteilung im Amt für Umweltschutz bei der Landeshauptstadt Stuttgart

Herr Dr. Görres, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Wo hat es 2020 besonders große Fortschritte auf dem Weg hin zur klimaneutralen Stadt gegeben?

Im vergangenen halben Jahr haben wir überragende Meilensteine unter Dach und Fach bekommen.

Stuttgart hat einen CO2-Preis beschlossen: Für alle Wirtschaftlichkeitsberechnungen setzen wir 50 Euro pro Tonne CO2 an, wobei der Betrag jährlich um 15 Euro steigen wird. Damit berücksichtigen unsere Berechnungen ab sofort deutlich die Klimaauswirkungen! Nebenbei übertrifft unser Ansatz bei der Bepreisung auch das Vorgehen des Bundes deutlich.

Weiter haben wir unser großes Förderprogramm in Stuttgart, das Energiesparprogramm, stark ausgebaut. Mit dem Programm fördern wir bereits seit 1998 energieeinsparende Maßnahmen in privaten Bestandsgebäuden. Das Programm wurde nach der Aufstockung auf 75 Millionen Euro vollständig überarbeitet und vereinfacht. Kombiniert man die Zuschüsse noch mit den Förderungen von Bund und Land, bietet sich gerade eine einmalige Chance, ambitionierte Energiestandards zu einem sehr fairen Preis zu erhalten. Brandneu sind unsere beiden Förderinitiativen "Solaroffensive" und "Wärmepumpenprogramm", mit denen wir den Ausbau der erneuerbaren Energien im Stadtgebiet voranbringen wollen. 

Besonders stolz sind wir auf unseren Beschluss, dass städtische Gebäude zukünftig im Plusenergie-Standard errichtet werden und Sanierungen zukünftig grundsätzlich klimaneutral erfolgen sollen. Damit setzen wir ein klares Zeichen und handeln ganz konkret im Sinne des vorbeugenden Klimaschutzes. 

Wenn Sie Stuttgart mit anderen Städten vergleichen: Was sind hier die Besonderheiten bei der Organisation der Energiewende?

Eine wichtige Besonderheit ist die Tatsache, dass in Stuttgart das Energiethema zentral behandelt und gesteuert wird. Damit können die Vorgaben für mehr Klimaschutz gebündelt und sowohl für alle stadteignen Liegenschaften als auch für alle nichtstädtischen Bauvorhaben angewendet werden. Gleichzeitig gibt es eine zentrale Anlaufstelle in der Stadt, die Prozesse strukturiert, sich mit den notwendigen Akteuren vernetzt, Maßnahmen vorantreibt und die tatsächliche Entwicklung in Form der jährlich zu erstellendenden Energie- und Klimaschutzbilanz analysiert und festhält.  

Sie sind seit über 20 Jahren im Stuttgarter Amt für Umweltschutz tätig. Wie haben sich die Aufgaben im Laufe der Zeit gewandelt und wo sehen Sie die größten Herausforderungen in den nächsten Jahren?

Hermann Hesse hat mal gesagt "Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen." In diesem Sinne hoffe ich, dass die Veränderungen, für die wir die letzten Jahre gekämpft haben, sich jetzt endlich schneller umsetzen lassen und alle verstehen, dass Klimaschutz und Energiewende heute machbar sind. Beides ist eine Chance für uns, unsere Umwelt und für die zukünftigen Generationen. Und beides ist etwas Gutes und Positives, sodass alle mitmachen können. Lassen Sie uns die Energiewende gemeinsam umsetzen.

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