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Landeshauptstadt Stuttgart

Rathaus

Die Amtskette des Stuttgarter Oberbürgermeisters

Die Amstkette der Landeshauptstadt Stuttgart weist nicht nur ihren Träger als die herausragende Persönlichkeit der Stadt aus, die Kette hat auch eine bewegte Geschichte. Sie wird nur zu feierlichen und repräsentativen Anlässen aus dem Tresor geholt.

Die heute in Stuttgart eingesetzte Amtskette ist die dritte ihrer Art.

Eine vergoldete Kette, gefertigt aus Silber und Insignie städtischer Selbstverwaltung, durfte sich Oberbürgermeister Frank Nopper bei seiner Vereidigung erstmals um den Hals legen. Es ist die dritte, die große Amtskette aus dem Jahr 1949, die noch heute ihren Träger als Amtsinhaber legitimiert. Gestiftet wurde sie seinerzeit von Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern als Zeichen der Anerkennung der Verdienste von Oberbürgermeister Arnulf Klett.

Auf einem Kettenglied ist sogar dessen Namen und das Datum 23. April 1945 eingraviert – der Tag, an dem ihn die französische Militärverwaltung als Bürgermeister der Stadt Stuttgart eingesetzt hatte. Damit hat sie schon fast ein Alleinstellungsmerkmal, denn das Namen von AMtsträgern auf den Ketten verewigt sind, kommt nur in Stuttgart und Dresden vor.

Aufwendig gestaltetes Schmuckstück

Gestaltet und produziert wurde die Stuttgarter Amtskette in der Werkstatt für Goldschmiedekunst von Professor Fritz Möhler, Schwäbisch Gmünd.

Hauptmerkmal ist das im Mittelpunkt erhöht aufgebaute Stadtwappen von Stuttgart, eine Stute in schwarzem, hellgelbem und weißem Grubenschmelzemail. Davon strahlen Linien über den gewölbten Teil aus, der die Erde symbolisiert. In jede Himmelsrichtung fliegt eine Taube – die Verbindung zur Welt in der geistigen und kulturellen Zusammenarbeit. Weitere Embleme an der Kette sind der Wein (Winzer), die Eule (Wissenschaft), die Lukasgilde (Maler und Buchdrucker), das Flügelrad (Eisenbahn), Hämmer (Handwerk), Aeskulapstab (Medizin), Ähre/Traube (Landwirtschaft), Hermesstab (Handel), Waage (Justiz), die Weltkugel sowie die Wappen von Württemberg und Baden.

Als die Kette hergestellt wurde, war Stuttgart die Hauptstadt des Landes Württemberg-Baden, das von 1945 bis zur Gründung Baden-Württembergs im Jahr 1952 existierte. Insgesamt 22 tiefblaue Lasursteine, Lapislazulis, verleihen der Amtskette ihre Anmut. Am seitlichen Aufbau ist der alte württembergische Wahlspruch „furchtlos und trew“ zu finden.

Eine dissonante Geschichte

So harmonisch die Kette trotz ihrer massiven Bestandteile gestaltet ist, so dissonant beginnt ihre Geschichte. Der Spiegel berichtete in seiner Ausgabe 22 aus dem Jahr 1949, Spender, deren Namen Arnulf Klett für sich behielt, hätten ihm und seinem Stellvertreter Amtsketten spendiert. Die Gemeinderäte lehnten es jedoch ab, dass die Stadt zur Deckung der Kosten einer Amtskette Spenden oder Geschenke Dritter annahm.

Zur Befriedung trug auch nicht bei, dass die örtliche Tagespresse den Betrag von 30.000 Deutsche Mark kolportierte, während Klett die Unkosten für die Spender auf 2.500 Deutsche Mark veranschlagte. Vermutlich aufgrund dieser Verstimmungen wurde die Kette erst 1965 offiziell an Klett anlässlich dessen 20-jährigem Dienstjubiläum übergeben. Davor verzichtete er darauf, sie anzulegen. Danach aber haben Klett, Manfred Rommel, Wolfgang Schuster und Fritz Kuhn sie getragen, wenn Letzterer auch nur bei seiner Amtseinführung 2013. In diese illustre Runde reiht sich nun Frank Nopper ein.

Dritte Amtskette ihrer Art

Das Tragen der Amtskette zu besonders feierlichen Anlässen ist ausschließlich dem Oberbürgermeister vorbehalten und kann nicht an einen Vertreter oder dem Amtsverweser übertragen werden. So zum Beispiel von Arnulf Klett am 24. Mai 1965, als er Königin Elizabeth II. von Großbritannien während deren Staatsbesuch im Restaurant des Stuttgarter Fernsehturms empfangen konnte. Womit beantwortet wäre, ob die Amtskette das Rathaus verlassen darf.

Laut Protokoll trägt der Oberbürgermeister die Amtskette auch dann, wenn er außerhalb des Rathauses die Landeshauptstadt repräsentiert. Privat kann er die Kette nicht tragen, weshalb er sie auch nicht einfach mitnehmen darf. Als unangebracht wird zudem empfunden, die Amtskette bei Todesfällen, der Teilnahme an Trauerfeiern oder Gottesdiensten zu tragen und – kein Witz – auch an Fasching bleibt das Schmuckstück im städtischen Tresor verwahrt.

Die heute in Stuttgart eingesetzte Amtskette ist die dritte ihrer Art. Die erste wurde 1937 von der Auslandsorganisation der NSDAP gespendet und ging im zweiten Weltkrieg verloren. Die zweite Amtskette aus dem Jahr 1948 wurde nie genutzt.

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  • Leif Piechowski/Stadt Stuttgart
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