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Landeshauptstadt Stuttgart

Umwelt

Stuttgart sucht Klima-Innovationen, die Hitzestress und Starkregen vorbeugen

Was kann Stuttgart tun, um die Menschen vor Hitze zu schützen? Welche innovativen Projekte braucht Stuttgart, um Überschwemmungen und Starkregen vorzubeugen?

Der Gemeinderat hat den Vorschlag genehmigt, wie der 10 Millionen Euro starke Stuttgarter Klima‐Innovationsfonds – der europaweit größte kommunale Klima-Innovationsfonds – erweitert wird. Eine zusätzliche Förderlinie des Stuttgarter Klima-Innovationsfonds soll Antworten liefern – und innovative Lösungen direkt in die Umsetzung bringen. Ab der nächsten Runde gibt es eine Förderlinie, die Hitzestress und Starkregen in den Blick nimmt. Mit an Bord ist eine internationale Naturschutzorganisation.

„Die Dynamik des Klimawandels stellt Städte vor neue Anforderungen, denen die Geschwindigkeit und Innovationskraft der Lösungen gewachsen sein müssen“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Nopper. „Mit dem Stuttgarter Klima-Innovationsfonds fördern wir neue Ideen aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – in Zukunft nicht nur, um den Klimawandel zu bremsen, sondern jetzt auch, um die Menschen in unserer Stadt vor Hitzestress und Starkregen zu schützen.“

Im Vergleich zum Umland ist die Luft in Städten bereits jetzt durchschnittlich ein bis drei Grad wärmer. Die Herausforderungen sind in Städten besonders hoch, weil sie sogenannte Wärmeinseln bilden. Die dichte Bebauung schränkt den natürlichen Luftstrom ein. Gebäude haben einen anderen Energie‐ und Wasseraustausch als Wiesen und Wälder. Außerdem strahlen Menschen, Gebäudetechnik und Fahrzeuge viel Wärme ab. Deshalb wirkt sich die Erderwärmung stärker auf das lokale Klima in Städten aus. Darüber hinaus sind Städte auch erheblich anfälliger für die negativen Folgen der Erderwärmung.

Stuttgart besonders betroffen

Stuttgart wird nach aktuellem Kenntnisstand besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen sein: Die Landeshauptstadt werde Deutschlands heißeste Großstadt, so die Prognosen einer Studie des Deutschen Wetterdienstes. Die Stadt müsse an bis zu 70 Tagen im Jahr mit Temperaturen von 30 Grad und mehr rechnen. Das wären mehr als doppelt so viele Hitzetage, wie im Hitzesommer 2018 oder im „Jahrhundertsommer“ 2003 und vier Mal so viele, wie im Jahr 2050 auf die Hauptstadt Berlin zukämen.

Ebenso ist zukünftig mit mehr Starkregenereignissen zu rechnen. Nach den heftigen Regenfällen im Sommer 2021 in Stuttgart und vor allem nach den verheerenden Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sieht sich Stuttgart darum der Frage ausgesetzt, welche Lösungen eine Stadt wie Stuttgart auch zum Schutz vor Starkregen oder Überschwemmungen treffen könne.

Mit der bewährten Methodik des Stuttgarter Klima‐Innovationsfonds adressiert die neue Förderlinie diese Themen und unterstützt den Transfer von innovativen Lösungen in die Praxis und die Skalierung von Pilotprojekten. Die erste Ausschreibungsrunde im Bereich Klimaschutz hat bereits die Schlagkraft des Stuttgarter Klima-Innovationsfonds bewiesen. So hat die Jury aus rund 40 Projektanträgen zehn innovative Ideen zur Förderung ausgewählt, die jetzt in Stuttgart zügig umgesetzt werden. Die neue Förderlinie für naturbasierte Innovationen nimmt nun auch die Folgen des Klimawandels in den Blick.

Für die neue Förderlinie ist ein Volumen von 3 Millionen Euro vorgesehen. Stuttgart konnte sich für eine Co-Finanzierung qualifizieren, die die internationale Naturschutzorganisation The Nature Conservancy in Europe (TNC Europe) einbringt. Die gemeinnützige Organisation trägt mit 750.000 Euro zur Finanzierung der Förderlinie bei. TNC Europe verwaltet internationale Fondsmittel unter anderem des Onlinehändlers Amazon und arbeitet im „Europe Urban Greening“-Programm mit Berlin und jetzt auch mit Stuttgart zusammen. Außerdem unterstützt TNC Europe mit wissenschaftlicher Kompetenz und einer Personalstelle für das unterstützende Projektmanagement. Der Stuttgarter Klima-Innovationsrat, der die Projekte auswählt, wird von derzeit sieben auf zukünftig neun Mitglieder ergänzt. Die beiden neuen Mitglieder, Dr. Nadja Kabisch von der Humboldt Universität Berlin und Dr. Robert McDonald von TNC Europe, haben nur bei der neuen Förderlinie ein Stimmrecht.