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Landeshauptstadt Stuttgart

Umsetzungs-Offensive

Neue Wege in der Klima-Kommunikation

Die Projektskizze zur Umsetzungs-Offensive der Landeshauptstadt Stuttgart hat sich im Wettbewerb um Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) durchgesetzt: Eine Fachjury hat das Projekt dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg zur Förderung vorgeschlagen.

Saniertes Gebäude im Stuttgarter Süden

400.000 Euro Förderung werden für innovative Klima-Kommunikation verfügbar, um öffentliche Fördermittel für Klimaschutz und Klimaanpassung zielgruppenspezifisch zu adressieren.

Das Ministerium hatte dazu aufgerufen, innovative Projektideen für den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung vorzuschlagen. Die Förderquote beträgt für Kommunen grundsätzlich maximal 80 Prozent, Projekte mit Modellcharakter erhalten eine Förderquote bis zu 90 Prozent. Hierfür hat sich die Projektskizze der Stabsstelle Klimaschutz qualifiziert.

Nun kann das Projekt gefördert werden, wenn die Fördervoraussetzungen vorliegen, die EU-Mittel verfügbar sind und die förmliche Antragsprüfung durch die Landeskreditbank Baden-Württemberg (L-Bank) erfolgreich verläuft.

Klima-Kommunikation, die verständlich und wirksam ist

Die Klima-Kommunikation richtet sich in Deutschland häufig an diejenigen Gruppen, die ohnehin erreicht werden: die Umwelt- und Klimainteressierten. Der Klimaschutz ist aber längst kein reines Umweltthema mehr. Er betrifft uns alle in unseren täglichen Entscheidungen. Darum müssen Kommunen neue Wege finden, um die gesamte Bevölkerung und vor allem Personen mit Immobilienbesitz zu adressieren. Nur so kann es Kommunen gelingen, wirksame Maßnahmen in der Breite umzusetzen.

Die beantragte Maßnahme zeichnet sich insbesondere durch die gezielte Ansprache von weniger klimaaffinen Gruppen aus. Der Anspruch ist, aus festgefahrenen Mustern auszubrechen und fokussiert-datenbasiert, verständlichkeitsoptimiert und nutzerzentriert zu kommunizieren.

Gesellschaftliche Akzeptanz im Fokus

Der Fokus des Fördervorhabens liegt auf der Bewerbung von drei Stoßrichtungen: Mehr PV auf die Dächer, mehr Ladepunkte an die Gebäude und mehr Gebäude-Modernisierungen. Die technischen Lösungen, mit denen Emissionen in Gebäuden und im Verkehr reduziert werden können, sind bekannt. Sie sind auch wirtschaftlich und funktionieren. Mit dem beantragten Projekt will die Landeshauptstadt Stuttgart zeigen, dass die Interessensgruppen mit Immobilienbesitz – aber auch weitere Zielgruppen – mit einer neuen Ansprache in der Breite erreicht werden können.

Das Projekt berücksichtigt zielgruppenrelevante Themen wie Wertsteigerung, Wirtschaftlichkeit und Amortisation sowie Wohnkomfort, Gebäude-Modernisierung und barrierefreies Wohnen oder auch Zuschüsse und Fördermittel. All diese Begriffe und Aktivitäten verfügen über eine breite gesellschaftliche Akzeptanz auch außerhalb der Gruppe der Umwelt- und Klimainteressierten.

Attraktive Fördermittel für „Klima-Produkte“

Die guten Förderangebote von Bund, Land und Kommunen im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung können ihre Wirkung dann voll entfalten, wenn sie von den Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Organisationen auch abgerufen werden. In den letzten Jahren wurden in Stuttgart neue Förderprogramme geschaffen und bestehende Förderprogramme für den Bereich Klima aufgestockt. Nun müssen sie noch passgenauer beworben werden. Die Umsetzungs-Offensive gibt hier wichtige Impulse. Unter anderem in den folgenden Bereichen besteht großer Handlungsbedarf:

  1. Strom aus erneuerbarer Energie: Die größten Treibhausgas-Einsparungen müssen bis 2030 aus der Energieerzeugung kommen. Photovoltaik muss den mit Abstand größten Beitrag leisten, damit die fossilen Anteile im heutigen Strommix ersetzt werden können und gleichzeitig auch der weiter wachsende Strombedarf mit erneuerbaren Energien bedient werden kann. Seit Jahrzehnten rechnen sich Solaranlagen mit attraktiven Renditen. 
    Abgesehen von städtischen Liegenschaften sind in den meisten Großstädten Deutschlands bisher viel zu wenige Dachflächen mit PV-Anlagen ausgestattet worden.
  2. Elektrifizierung des Verkehrs (ÖPNV und PKW): Die Umstellung auf elektrische Antriebe muss sich beschleunigen und rasch enorm ausgebaut werden. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Ladepunkte für das „Langsame Laden“ direkt an Gebäuden. Seit Jahren kündigt sich diese Elektrifizierung des Verkehrs an, sie ist in vielen Fällen längst marktfähig und dennoch sind die wenigsten privaten Gebäude bereits für die Elektromobilität ausgerüstet.
  3. Wärme und Effizienz: Die Sanierungsrate muss stark erhöht werden. Die Gebäude müssen jetzt klimafit gemacht werden, um auch im Bestand effiziente Technologien wie Wärmepumpen oder Niedertemperaturnetze mit Wärme aus erneuerbaren Energien nutzen zu können. Energiesparmaßnahmen wie die energetische Sanierung bieten seit Jahrzehnten besonders kurze Amortisationszeiten – dennoch liegt die Sanierungsrate deutschlandweit so niedrig, dass mit guten Gründen von einem „schlafenden Riesen“ gesprochen wird.
Stabsstelle Klimaschutz

Jan Kohlmeyer

Leiter Stabsstelle Klimaschutz

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Bildnachweise

  • Frey Architekten
  • Landeshauptstadt Stuttgart | Fotografin: Franziska Kraufmann
  • LHS
  • Andrey Danilovich @istockphoto.com