Maßnahmen zur Luftreinhaltung und nachhaltigen Mobilität

Die Themen Mobilität und Luftreinhaltung sind zentrale und wichtige Aufgaben für die Landeshauptstadt Stuttgart. Ziel ist es, mit vielfältigen Aktivitäten die Lebensqualität in der Stadt weiter zu verbessern und Luftschadstoffe, Staus, Lärm und Stress zu reduzieren. Ein Schwerpunkt ist dabei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Aktivitäten Luftreinhaltung

Grundlage bildet der vom Oberbürgermeister vorgelegte und vom Gemeinderat beschlossene Aktionsplan "Nachhaltig mobil in Stuttgart" in seiner Fassung vom 18. Juli 2017. Der Aktionsplan beschreibt in neun Handlungsfeldern mehr als 100 Einzelmaßnahmen: darunter ÖPNV, motorisierter Individualverkehr, Fuß- und Radverkehr, Wirtschaftsverkehr, Berufsverkehr, stadteigene Mobilität, Mobilität in der Region, Öffentlichkeitsarbeit sowie Intermodalität und Vernetzung. Im aktuellen Doppelhaushalt 2018/2019 stehen hierfür 25,6 Millionen Euro bereit.
 
Ergänzt wird das Mobilitätspaket durch weitere Maßnahmen aus dem "Bündnis für Mobilität und Luftreinhaltung" des Gemeinderats in Höhe von 27,7 Millionen Euro.

Öffentlicher Nahverkehr

  • Tarifreform
Der VVS-Tarif wurde zum 1. April 2019 grundlegend reformiert und damit einfacher, übersichtlicher und für viele Fahrgäste günstiger. Das neue Tarifzonensystem hat nun nur noch 5 (+ 3) Ringzonen statt wie bisher 52 Tarifzonen. Die Tarifzonen 10 und 20 in Stuttgart wurden zur Tarifzone 1 zusammengelegt. Die Sektorengrenzen in den Außenringen sind weggefallen und die zwei Außenringe 60 und 70 wurden zur neuen Tarifzone 5 zusammengefasst.
 
Viele Fahrgäste profitieren davon, dass sie weniger Zonen befahren und dadurch weniger bezahlen müssen als früher. Manche Fahrgäste sparen durch die Tarifreform zwischen 25 und 30 Prozent, in Einzelfällen auch mehr. Das ist ein starker Anreiz für Pendler und Gelegenheitskunden, das Auto stehen zu lassen und zur Reduzierung der Umweltbelastung beizutragen. Weitere Informationen unter: www.vvs.de/einfachmachen.

Bereits im Jahr 2018 wurden die Schnellbuslinien X1 und X2 eingeführt, mit denen das Stuttgarter Zentrum attraktiv erschlossen wurde. Die Schnellbuslinie X1 verbindet Bad Cannstatt mit der Innenstadt im Fünf-Minuten-Takt. Vom Wilhelmsplatz zum Wilhelmsbau braucht man mit dem X1 jetzt nur 12 Minuten. Mit der Schnellbuslinie X2 geht es im Geparden-Tempo nach Leonberg. So wird die Taktlücke der Linie 92 geschlossen und die Verbindungsfrequenz auf dieser Strecke erhöht. Ab der Haltestelle Schillerhöhe fährt der X2 ohne Zwischenhalt bis nach Stuttgart und dann über die Haltestellen Schwabstraße und Feuersee bis zum Rotebühlplatz.
 
Zudem erhält die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) für die Jahre 2018 bis 2023 einen zusätzlichen Investitionszuschuss in Höhe von 72,5 Millionen Euro. Dieser Zuschuss finanziert unter anderem die Beschaffung von weiteren 20 Stadtbahnen, einen neuen Stadtbahnbetriebshof, die Ertüchtigung aller Haltestellen der U1-Linie für den Einsatz von 80-Meter-Zügen, die Übereck-Verbindung Riedsee/Plieningen, die Verlängerung der U19 bis zum Daimler-Werkstor sowie die Modernisierung und den Umbau der Zahnradbahn.
 
Seit Januar 2018 verwendet die SSB im Stuttgarter Kessel ausschließlich Busse mit der Abgasnorm Euro VI. Bereits heute verfügen 55 Busse und damit rund 20 Prozent der Gesamtflotte der SSB über innovative Antriebe wie Diesel-Hybrid oder Brennstoffzellen-Hybrid. Ab dem Jahr 2020 fahren die SSB-Busse nur noch mit synthetischem Kraftstoff.

Busse Euro VIOb Hybrid oder Abgasnorm Euro VI: die Busse der SSB sind umweltfreundlich unterwegs. Foto: SSB AG
  • Jobticket
Das von der Stadt initiierte Jobticket bzw. Firmen-Abo wird immer erfolgreicher: Die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im VVS, die mit diesem geförderten Ticket zu ihrem Arbeitsplatz fahren, ist im Laufe des Jahres 2019 von knapp 84.000 auf derzeit fast 90.000 gestiegen. Inzwischen geben rund 1.000 Unternehmen - darunter auch viele kleinere Firmen - ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Zuschuss zu den Fahrtkosten im öffentlichen Nahverkehr.

Bei der Stadt Stuttgart und dem Klinikum besitzen fast 12.600 Mitarbeiter ein Jobticket - damit hat sich die Zahl der Nutzer gegenüber der Einführung mehr als verdoppelt. Mittlerweile fahren rund 60 Prozent der städtischen Beschäftigten mit dem Jobticket zur Arbeit. Der städtische Zuschuss liegt bei durchschnittlich 28,30 Euro pro Monat und Ticketnutzer. Auch große Firmen wie Porsche, Daimler oder Allianz sind bei diesem Zuschussmodell (Firmen-Abo) dabei und unterstützen so ihre Mitarbeiter bei der umweltschonenden und staufreien Fahrt zur Arbeit. Der VVS hat auch eine Lösung für kleinere und mittlere Firmen, die alleine die Mindestbestellmenge von 50 Firmen-Abos nicht schaffen. Es können sich entweder mehrere Firmen zusammenschließen oder eine kleinere Firma "schlüpft" unter das Dach einer größeren Firma, sodass insgesamt mindestens 50 Tickets bestellt werden. Voraussetzung dabei ist, dass die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern einen Zuschuss zum Firmen-Abo von mindestens 10 Euro pro Monat bezahlen. In diesem Falle wird nicht nur der Rabatt von 5 Prozent, sondern ein Rabatt von 10 Prozent gegenüber dem regulären JahresTicket gewährt.

Verkehrsfluss und Verkehrssteuerung

Um Staus zu vermeiden oder schneller aufzulösen, wird der Verkehr innerhalb der Landeshauptstadt Stuttgart mittels der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) gesteuert und gelenkt. Die IVLZ greift über Ampelschaltungen, Leitsysteme und Alternativroutensteuerungen situationsabhängig in den Verkehr ein und informiert mithilfe von 30 Variotafeln an ausgesuchten Hauptverkehrsstraßen sowie über Verkehrsmeldungen über Verkehrsbehinderungen aufgrund von Unfällen, Baustellen oder hohem Verkehrsaufkommen.

Für die Weiterentwicklung der Leitzentrale stellt der Gemeinderat im aktuellen Haushalt 3 Millionen Euro zur Verfügung. Weiterhin sind für die Folgejahre Maßnahmen für die Verkehrssteuerung und -lenkung in Höhe von 9 Millionen Euro beantragt.

Geplant sind mittel- und langfristig noch zahlreiche weitere Maßnahmen zur Optimierung der Verkehrssteuerung und damit als Maßnahme zur Luftreinhaltung. Die Stadt will dabei das Potenzial der Digitalisierung nutzen. So sollen Strategien der Verkehrssteuerung mit dem Ziel eines stadtverträglichen Routings an Navigationsdienste übermittelt werden. Eine Online-Berechnung der aktuellen Schadstoffbelastung im Stuttgarter Talkessel soll unter Einbindung aktueller Fahrzeugdaten zur Verkehrssteuerung genutzt werden. Die Ampeln sollen dank neuer Sonderprogramme auf die sogenannte Car2X-Kommunikation mit Fahrzeugen vorbereitet werden.

Ausbau Fuß- und Radverkehr

Der Ausbau des Fuß- und Radverkehrs spielt eine wichtige Rolle im städtischen Mobilitätskonzept. So wird für 3,4 Millionen Euro erstmals ein eigenes Investitionsprogramm Fußverkehr bis 2022 aufgelegt, das ein Netz von Hauptfußwegen und Flanierrouten in den fünf Stuttgarter Innenstadtbezirken schaffen soll. Das Konzept soll den Fußverkehr in Stuttgart fördern und als wichtigen Verkehrsträger stärken. Im Talkessel wird ein Drittel aller täglichen Wege zu Fuß zurückgelegt.

Darüber hinaus investiert die Stadt weiter in den Ausbau des Radverkehrs. Allein im Doppelhaushalt 2018/2019 sind zusätzlich rund 7,6 Millionen Euro für den Ausbau der Hauptradrouten und weiterer Radwege vorgesehen. Dies entspricht nahezu einer Verdopplung des ursprünglichen Rad-Etats.

Die Stadt möchte den Anteil des Radverkehrs langfristig auf 25 Prozent steigern. Auf Grundlage eines Zielbeschlusses des Gemeinderats soll Stuttgart zu einer "echten Fahrradstadt" werden. Damit einher geht eine erhebliche Erhöhung des Radetats, um die Hauptradrouten auszubauen, Fahrradstraßen einzurichten oder Fahrradgaragen in Wohngebieten aufzustellen. Ab 2020 sollen rund 20 Euro und langfristig 40 Euro pro Einwohner und Jahr für den Radverkehr investiert werden. Dazu gehört u.a. jetzt schon die Förderung von Lastenräder für Familien und der Ausbau der Regio-Rad-Flotte mit Lastenrädern.

Seit Mai 2018 ist mit dem RegioRadStuttgart ein neues regionales und interkommunales Fahrrad- und Pedelecverleihsystem für Stuttgart in der Region gestartet. RegioRadStuttgart die ideale Ergänzung des ÖPNV und damit ein Baustein für eine durchgehend nachhaltige Reisekette. In Stuttgart stehen 600 Fahrräder, 100 Pedelecs sowie 10 E-Lastenräder zur Verfügung. Sie können an rund 75 Stationen im gesamten Stadtgebiet ausgeliehen und zurückgegeben werden. Gleichzeitig hat RegioRadStuttgart in Böblingen, Ditzingen, Freiberg am Neckar, Gerlingen, Kernen im Remstal, Leinfelden-Echterdingen, Leonberg, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Urbach den Betrieb aufgenommen. Weitere Kommunen werden folgen.

Stadteigene Mobilität

Die Stadt setzt auf eine systematische und vollständige Umstellung des städtischen Fuhrparks auf emissionsarme beziehungsweise emissionsfreie Mobilität. Dafür investiert die Stadt derzeit 300.000 Euro pro Jahr. Aktuell sind für die Stadt acht Hybridfahrzeuge, 44 vollelektrische Pkw, 17 E-Roller und über 60 Pedelecs im Einsatz. Zudem erprobt das Garten-, Friedhofs- und Forstamt drei elektrische Lastenräder und setzt elektrische Radlader und elektrische Gießfahrzeuge ein. Daneben gibt es Pilotprojekte mit vollelektrischen Leicht-Lkw und vollelektrischen Kehrmaschinen.

E-Mobilität: Fuhrpark der StadtDer Fuhrpark der Stadt wird konsequent auf emissionsarme beziehungsweise emissionsfreie Fahrzeuge umgestellt. Foto: Leif PiechowskiDie Stadtwerke Stuttgart sind 2016 mit dem E-Roller-Mobilitätsangebot "stella-sharing" an den Start gegangen. Im August 2016 war Stella mit 15 Rollern gestartet, schrittweise haben die Stadtwerke die Flotte auf 75 (2017), 100 (2018) und nun 200 (2019) Fahrzeuge erhöht. Beim Thema Beschaffung von Fahrrädern und Pedelecs ab einem Wert von 1.000 Euro gewährt die Stadt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gehaltsvorschüsse.

Elektromobilität

Die Landeshauptstadt ist Vorreiter bei der Förderung der Elektromobilität. So gibt es in Stuttgart rund 400 öffentliche Ladepunkte und damit eines der dichtesten Ladesäulen-Netze in Deutschland. Darüber hinaus sind mehr als 80 Ladepunkte außerhalb des öffentlichen Raumes für jeden zugänglich. Sie befinden sich in Parkhäusern oder auf Parkplätzen, bei Einzelhändlern, Gewerbetreibenden oder Autohäusern.

Das Angebot wächst: Die Stadt treibt den Aufbau des Ladenetzes koordiniert voran. So können im "Areal Eichstraße", das die Rathausgarage ersetzt, Fahrzeuge an 16 Punkten geladen werden und auch im NeckarPark wird es viele neue Ladestationen geben. Im Frühjahr 2019 hat der Gemeinderat beschlossen, dass bis zu 600 neue Normal-Ladepunkte und bis zu 30 Schnellladestandorte im öffentlichen Raum realisiert werden können.

Bereits seit 2012 dürfen E-Fahrzeuge auf allen städtisch bewirtschafteten Flächen kostenfrei parken. Mit dem Elektro-Taxi-Aktionsplan (ETAP) ist im Jahr 2017 eine wichtige Planungsgrundlage entstanden, um auch die Stuttgarter Taxiflotte mit einem hierfür eigens entwickelten Förderprogramm möglichst rasch auf E-Antriebe umzustellen. Zudem sensibilisiert die Stadtverwaltung Verbände, Innungen und Händler in Stuttgart zum Einstieg in die E-Mobilität sowie der Gestaltung von E-Mobilität in Wohnquartieren oder größeren Wohnobjekten privater Gesellschaften/Genossenschaften. Ein Förderprogramm für "e-Carsharing im Quartier" wurde im Sommer 2019 vom Gemeinderat beschlossen.

City-Logistik

Zu den wichtigsten Fragen für alle Städte zählen: Wie erreichen Waren, Güter und Produkte die Kunden und wie können Lieferfahrten vermieden werden? Stuttgart hat darauf zahlreiche Antworten gefunden. Beispielsweise unterstützt die Stadt das Projekt LogSpaze, bei dem Waren an zwei Punkten in der City gebündelt (sogenannte Mikrohubs) und unter anderem mit Sackkarren und Lastenrädern in die Läden gebracht werden. Durch den Einsatz elektrischer Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Lkw soll der Lieferverkehr in der Innenstadt umweltfreundlicher werden.

Eine weitere Idee ist, dass Logistikunternehmer freie Stellplätze in Parkhäusern nutzen und anschließend Lastenräder für die letzte Meile einsetzen. Um alle Projekte gut zu vernetzen, arbeitet die Stadt intensiv mit Partnern aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und aus Verbänden zusammen.

Feinstaubalarm und Stickstoffdioxid

Der bundesweit einmalige Feinstaubalarm hat wesentlich dazu beigetragen, das Bewusstsein in der Bevölkerung für das Thema Luftreinhaltung zu schärfen. Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. An diesen Tagen kann die Konzentration von Feinstaub und Stickstoffdioxid stark ansteigen und es besteht die Gefahr von Überschreitungen der Grenzwerte. Dann sollte möglichst auf Autofahrten verzichtet werden. Der Betrieb von Komfort-Kaminen ist verboten.

Die Feinstaub-Werte in Stuttgart werden besser und sind aktuell auf einem Tiefstand: 2018 wurde nach den offiziellen Messdaten der LUBW erstmals an allen Messstationen im Stadtgebiet der Grenzwert für Feinstaub-Überschreitungstage eingehalten. Gravimetrisch erfasst wurden 2018 an der Messstelle "Am Neckartor" 20 Überschreitungstage, zulässig sind 35 Überschreitungstage pro Jahr über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Im Jahr 2017 wurden noch 45 Überschreitungstage an der Messstation "Am Neckartor" gemessen, 2016 waren es 63. Der Jahresmittelgrenzwert bei Feinstaub von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wird bereits seit 2011 an allen Messstationen eingehalten.

Auch bei Stickstoffdioxid (NO2) liegen die Werte für 2018 unter denen des Vorjahres. Der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid (NO2) betrug im Jahr 2018 an der Messstelle "Am Neckartor" 71 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Im Jahr 2017 lag der Wert bei 73 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, 2016 noch bei 82 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Damit ist der NO2-Wert in Stuttgart zwar schon zurückgegangen, liegt aber immer noch deutlich über dem zulässigen EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm. Auch an den Messstellen "Hohenheimer Straße" (65 µg in 2018) und "Arnulf-Klett-Platz" (46 µg Luft in 2018) wird der zulässige NO2-Jahresmittelwert überschritten. Der Stundengrenzwert für NO2 wird seit dem Jahr 2017 an der Messstelle "Am Neckartor" eingehalten: So wurden im Jahr 2018 elf NO2-Überschreitungsstunden gemessen, 2017 nur drei Überschreitungsstunden. Im Jahr 2016 gab es insgesamt 35 Überschreitungsstunden. Der Grenzwert liegt bei 18 Stunden pro Jahr bei einem Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Testprojekt Straßenreinigung

In einer ersten Projektphase wurden in der Landeshauptstadt Stuttgart vom 1. März bis zum 6. April 2017 Fahrspuren sowie Gehwege rund um die Messstelle "Am Neckartor" in einer Kombination aus Wasserdruckreinigung und Absaugung sowie mechanischer Reinigung von Sonntag bis Freitag zwischen 22 und 5 Uhr gereinigt. Damalige Auswertungen zeigten Indizien, dass diese Form der Straßenreinigung einen positiven Effekt auf die Feinstaub-Werte am Neckartor haben könnte. Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats hat daher Ende Juli 2017 mit breiter Mehrheit die Fortsetzung des Testprojekts beschlossen.

Im Umfeld der Messstelle 'Am ­Neckartor' werden die Fahrspuren nachts intensiv gereinigt. Foto: Max KovalenkoIm Umfeld der Messstelle 'Am ­Neckartor' werden die Fahrspuren nachts intensiv gereinigt. Foto: Max KovalenkoMit Beginn der jeweils neuen Feinstaubalarm-Periode Mitte Oktober 2017 sowie 2018 wurde das Testprojekt "Straßenreinigung Feinstaub" unter Federführung der Dekra fortgesetzt. Ob es auch eine Fortsetzung zur Feinstaubalarm-Periode 2019/2020 geben wird, ist derzeit (September 2019) noch offen.

Filtersäulen

Im November 2018 sind rund um das Neckartor 17 Feinstaub-Filtersäulen der Firma MANN+HUMMEL aufgestellt worden. Diese wurden vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg gefördert und von der Landeshauptstadt Stuttgart unterstützt.

Im Juli 2019 wurden die 17 Feinstaub-Filtersäulen durch 23 weiterentwickelte Kombi-Filtersäulen ersetzt. Nach positiven Ergebnissen bei der Reduzierung der Feinstaubbelastung hatte das Unternehmen die bisherigen Anlagen mit neu entwickelten Kombifiltern nachgerüstet. Diese sollen nun nicht nur Feinstaub (PM10), sondern auch Stickstoffdioxid (NO2) aus der Luft filtern können.

Die Filtersäulen sind 3,60 Meter groß und bestehen aus jeweils drei zusammengesetzten Bauteilen, den Cubes. Ausgerüstet mit Filtern und energieeffizienten Ventilatoren sind diese in der Lage, Schadstoffe aus der angezogenen Umgebungsluft zu ziehen. Über eine Steuerungseinheit lässt sich der Betrieb der Filtersäulen bedarfsgerecht einstellen und damit auf die aktuelle Luftqualität reagieren. Integrierte Sensoren erfassen Luft- und Wetterdaten, die in einer Cloud zusammengeführt und analysiert werden.

Neue Filtersäulen entlang der Hohenheimer StraßeNeue Filtersäulen entlang der Hohenheimer Straße. Foto: Leif PiechowskiIm Entwurf zur 4. Fortschreibung des Luftreinhalteplans wurde als neue Maßnahme die Einrichtung von weiteren Filtersäulen an der Hohenheimer Straße sowie an der Pragstraße aufgenommen. Die Landesregierung finanziert die Errichtung und den Betrieb dieser Filtersäulen in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen.

Betonplatten mit Titandioxid und fotokatalytischer Straßenbelag

Derzeit (September 2019) werden in mehreren Bauprojekten zur Umgestaltung des Straßenraums Plattenbeläge mit Titandioxid eingesetzt. Sowohl am Kronprinzplatz in der Innenstadt als auch im Bereich der Furtbachstraße im Stuttgarter Süden sowie im Bereich des Dorotheenquartiers wurden die Betonplatten eingesetzt. Zwar ist grundsätzlich erforscht, dass die Titandioxid-Platten Stickoxide abbauen, jedoch müssen Auswirkungen am konkreten Einsatzort überprüft werden. Vorbelastungen und klimatische Rahmenbedingungen spielen hier eine wichtige Rolle.

Am Neckartor hat die Landeshauptstadt Stuttgart im April 2019, im Streckenabschnitt zwischen Willy-Brandt-Straße und Cannstatter Straße, die Fahrbahnen mit einem fotokatalytischen Straßenbelag erneuert. Über die komplette Fahrbahnbreite wurde ein Clean Air (ClAir) Asphalt von der STRABAG AG eingebaut. Der Belag ist mit einer besonderen Deckschicht versehen und soll dazu beitragen, die Luftbelastung durch Stickoxide zu verringern.

Testprojekt Mooswand

Für die Pilotstudie Mooswand wurde im Frühjahr 2017 eine ca. 100 Meter lange und 3 Meter hohe Mooswand entlang der Cannstatter Straße in Stuttgart aufgebaut. Ende April 2018 wurden die Moosmatten von der Trägerkonstruktion entfernt, um am selben Standort Vergleichsmessungen ohne Moose vorzunehmen. Der vollständige Abbau der Mooswand erfolgte Ende Juni 2018.

Die Studie wurde vom Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart in Kooperation mit dem Institut für Tragwerkskonstruktionen und konstruktiven Entwerfen (Design und Planung der Mooswand), dem Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik (Luftschadstoffmessungen) der Uni Stuttgart sowie dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (biologische Untersuchungen) durchgeführt.

Für die Umsetzung des auf zwei Jahre angelegten Projektversuchs hat der Gemeinderat Mittel in Höhe von 388.000 Euro bereitgestellt. Zudem förderte das Verkehrsministerium Baden-Württemberg die Studie mit 170.233 Euro.

Hintergrund des Versuchs sind wissenschaftliche Laborstudien, die belegen, dass Moose Feinstaub-Partikel aus der Atmosphäre entfernen können und so möglicherweise zur Reduzierung der Feinstaub-Belastungen in stark belasteten urbanen Gebieten beitragen können. Das Besondere an Moosen ist, dass sie nicht nur wie andere Pflanzenarten den Feinstaub auf den Pflanzenoberflächen filtern, sondern Feinstaubpartikel verwerten und in das Pflanzengerüst einbauen und somit dauerhaft den Feinstaub binden können. Vor Beginn des Versuchs fehlte aber ein Nachweis der Wirkung von Moosen unter realen Atmosphärenbedingungen, der in der Pilotstudie jedoch nachgewiesen werden konnte.

Die Pilotstudie weist darauf hin, dass Moose die Feinstaubbelastung reduzieren können, eine quantitative Aussage ist jedoch nicht möglich - die festgestellte Wirkung liegt in der Größenordnung der Abweichungen durch Messunsicherheiten.

Grüne Infrastruktur

Urban Gardening Züblin-ParkhausDie Stadt unterstützt Urban Gardening wie hier auf dem Züblin-Parkhaus finanziell. Foto: Stadt StuttgartDie Stadt investiert 2018/2019 elf Millionen Euro zusätzlich in die "Grüne Infrastruktur": Neue Bäume werden damit gepflanzt, aber auch Parks und Spielplätze besser gepflegt oder "Urbanes Gärtnern" weiter gefördert. So werden in der Fortführung des "1000-Bäume-Programms" neue Baumstandorte im Straßenraum geschaffen und fehlende Bäume in vorhandene Standorte nachgepflanzt.

Im Rahmen der grünen Infrastruktur wurde zudem die Umsetzung des städtischen Artenschutzkonzepts begonnen. Zwei Bauaufseher wurden beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt eingestellt und seit dem Winter 2018/19 werden sogenannte Top-E-Flächen ökologisch aufgewertet. Dabei handelt es sich um Flächen, bei denen mit relativ geringem Aufwand ein möglichst großer Effekt erzielt werden kann (Effizienz-Flächen). Dies soll zukünftig ausgeweitet werden. Weitere Informationen gibt es unter www.stuttgart.de/artenschutzkonzept.

Dahinter steht das Verständnis, dass Grünzüge, Wälder oder Weinberge die Stadt prägen und maßgeblich zur Lebensqualität, aber auch zur Luftreinhaltung beitragen.

Heizungsaustauschprogramm

Noch immer heizen rund 15 Prozent der Stuttgarter Haushalte mit Öl. Um dem entgegenzuwirken wird seit 2018 unter dem Motto "Machen Sie Ihre Heizung klimafit" der Heizungsaustausch von Öl-Kesselanlagen oder Kohleöfen gefördert. Durch die Substitution von Öl und Kohle durch die emissionsfreundlicheren Energieträger Umwelt- und Fernwärme, Gas und Holz-Pellets (letztgenanntes außerhalb der Innenstadt und Bad Cannstatt) soll eine Reduzierung des Feinstaubs und CO2-Ausstoßes erreicht werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.stuttgart.de/heizungsaustauschprogramm.