Maßnahmen zur Luftreinhaltung und nachhaltigen Mobilität

Die Themen Mobilität und Luftreinhaltung sind zentrale und wichtige Aufgaben für die Landeshauptstadt Stuttgart. Mit vielfältigen Aktivitäten will die Stadt die Lebensqualität in Stuttgart weiter erhöhen. Das Ziel ist es, Luftschadstoffe, Staus, Lärm und Stress in der Stadt zu reduzieren und so die Lebensqualität in Stuttgart weiter zu erhöhen.

Aktivitäten Luftreinhaltung

Ein Schwerpunkt ist der massive Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Seit Jahren arbeitet die Stadt außerdem mit vielfältigen weiteren Aktivitäten daran, die Luftsituation zu verbessern und den Verkehrsfluss zu verstetigen. Grundlage bildet der vom Oberbürgermeister vorgelegte und vom Gemeinderat beschlossene Aktionsplan "Nachhaltig mobil in Stuttgart", der in neun Handlungsfeldern die Schwerpunkte beschreibt und Maßnahmen definiert. Im aktuellen Doppelhaushalt stehen hierfür 25,6 Millionen Euro bereit. Dieses Haushaltspaket umfasst Maßnahmen in den Handlungsfeldern

  • Öffentlicher Personennahverkehr
  • Stadteigene Mobilität
  • Intermodalität und Vernetzung
  • Motorisierter Individualverkehr
  • Nicht-motorisierter Verkehr (Fahrrad, Pedelec und Fußgänger) Wirtschaftsverkehr
  • Öffentlichkeitsarbeit
Ergänzt wird das Mobilitätspaket der Verwaltung durch weitere Maßnahmen aus dem "Bündnis für Mobilität und Luftreinhaltung" des Gemeinderats in Höhe von 27,7 Millionen Euro.

Verkehrsfluss und Verkehrssteuerung

Um Staus zu vermeiden oder schneller aufzulösen, steuert die Stadt den vorhandenen Verkehr vor allem mittels der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ). Sie informiert unter anderem auf 30 Variotafeln an ausgesuchten Hauptverkehrsstraßen über Verkehrsbehinderungen durch Unfälle, Baustellen und hohes Verkehrsaufkommen oder schaltet rund 70 "Grüne Wellen" im Stadtgebiet. Der Gemeinderat hat beschlossen, zusätzlich zwei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Leitzentrale zu investieren. Für besseren Verkehrsfluss auf Steigungsstrecken sorgt Tempo 40. Acht weitere Strecken sind dafür vorgesehen.

Geplant sind mittel- und langfristig zahlreiche Maßnahmen zur intelligenten Verkehrssteuerung. Die Stadt will die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. So sollen "virtuelle Schilder" benutzerspezifische Verkehrsinformationen standortgenau in Fahrzeuge übermitteln. Eine Online-Berechnung der aktuellen Schadstoffbelastung im Stuttgarter Talkessel soll zur Verkehrssteuerung genutzt werden. Die Ampeln sollen dank neuer Sonderprogramme auf die so genannte Car2X-Kommunikation mit Fahrzeugen vorbereitet werden.

Öffentlicher Nahverkehr

Die Stadt investiert rund 7,5 Millionen Euro für eine Express-Bus-Linie, die ab Herbst 2018 mit der jeweils besten Fahrzeugtechnologie im Fünf-Minuten-Takt Bad Cannstatt mit der Innenstadt verbindet. Zudem erhält die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) für die Jahre 2018 bis 2023 einen zusätzlichen Investitionszuschuss in Höhe von 72,5 Millionen Euro. Dieser Zuschuss finanziert unter anderem die Beschaffung von weiteren 20 Stadtbahnen, einen neuen Betriebshof, die Ertüchtigung aller Haltestellen der U1-Linie für den Einsatz von 80-Meter-Zügen (was zuletzt auf der Linie U12 zu einer Verdopplung der Kapazität geführt hat), die Übereck-Verbindung Riedsee/Plieningen, die Verlängerung der U19 bis zum Daimler-Werkstor sowie die Modernisierung und den Umbau der Zahnradbahn. Seit Januar 2018 verwendet die SSB im Stuttgarter Kessel ausschließlich Busse mit der Abgasnorm Euro-VI. Bereits heute verfügen 27 Busse und damit elf Prozent der Gesamtflotte der SSB über innovative Antriebe wie Diesel-Hybrid oder Brennstoffzellen-Hybrid.
  Linie U12 Seit Dezember 2017 ist zudem die U12 bis nach Remseck verlängert. Foto: Achim Zweygart/Stadt Stuttgart

Jobticket

Das von der Stadt initiierte Jobticket wird immer erfolgreicher: Die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mit diesem geförderten Ticket zu ihrem Arbeitsplatz fahren, ist im Laufe des Jahres 2017 von 71 500 auf über 78 000 gestiegen. Inzwischen geben rund 620 Unternehmen - darunter auch viele kleinere Firmen - ihren Mitarbeitern einen Zuschuss zu den Fahrtkosten im öffentlichen Nahverkehr.

Bei der Stadt Stuttgart und dem Klinikum besitzen fast 11 300 Mitarbeiter ein Jobticket - damit hat sich die Zahl der Nutzer gegenüber der Einführung mehr als verdoppelt. Mittlerweile fahren knapp 60 Prozent der städtischen -Beschäftigten mit dem Jobticket zur Arbeit. Der städtische Zuschuss liegt bei durchschnittlich 27 Euro pro Monat und Ticketnutzer. Das Land Baden-Württemberg hat seinen Zuschuss zum Jobticket im letzten Jahr nochmals von 20 auf 25 Euro im Monat erhöht. Aber auch große Firmen wie Porsche oder Allianz sind bei diesem Zuschussmodell dabei und unterstützen so ihre Mitarbeiter bei der umweltschonenden und staufreien Fahrt zur Arbeit.

Grüne Infrastruktur

Die Stadt investiert 2018/2019 elf Millionen Euro zusätzlich in die "Grüne Infrastruktur": Neue Bäume werden damit gepflanzt, aber auch Parks und Spielplätze besser gepflegt oder "Urbanes Gärtnern" weiter gefördert. So werden in der Fortführung des "1000-Bäume-Programms" neue Baumstandorte im Straßenraum geschaffen und fehlende Bäume in vorhandene Standorte nachgepflanzt. Dahinter steckt das Verständnis, dass Grünzüge, Wälder oder Weinberge die Stadt prägen und maßgeblich zur Lebensqualität, aber auch zur Luftreinhaltung beitragen.

Feinstaubalarm und Stickstoffdioxid

Der bundesweit einmalige Feinstaubalarm hat wesentlich dazu beigetragen, das Bewusstsein in der Bevölkerung für das Thema Luftreinhaltung zu schärfen. Feinstaubalarm wird ausgelöst, sobald der Deutsche Wetterdienst (DWD) an mindestens zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein stark eingeschränktes Austauschvermögen der Atmosphäre prognostiziert. An diesen Tagen kann die Konzentration von Feinstaub und Stickstoffdioxid stark ¬ansteigen, und es besteht die Gefahr von Überschreitungen der Grenzwerte. Dann sollte möglichst auf Autofahrten verzichtet werden. Der Betrieb von Komfort-Kaminen ist verboten.

Die Feinstaub-Werte in Stuttgart werden besser und sind aktuell auf einem Tiefstand: Im Jahr 2017 wurden insgesamt 45 Überschreitungstage an der Messstation "Am Neckartor" gemessen, erlaubt sind 35. 2016 waren es 63, im Jahr 2015 sogar 72 Überschreitungstage. Bereits seit 2011 wird der Jahresmittelgrenzwert bei Feinstaub an allen Messstationen eingehalten.

Auch bei Stickstoffdioxid (NO2) liegen die Werte für 2017 unter denen des Vorjahres. So wurde vergangenes Jahr erstmals der Stundengrenzwert an der Messstelle "Am Neckartor" eingehalten: Es wurden lediglich drei NO2-Überschreitungsstunden gemessen. Im Jahr 2016 gab es insgesamt 35, 2015 noch 61 Überschreitungsstunden. Der Grenzwert liegt bei 18 Stunden pro Jahr bei einem Grenzwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Verbesserungen gibt es auch beim kritischen NO2-Jahresmittelwert: Dieser betrug am Neckartor 73 Mikrogramm und liegt damit deutlich unter dem Wert aus 2016 von 82 Mikrogramm beziehungsweise 2015 mit 87 Mikrogramm. EU-weit erlaubt ist ein Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm. Die offiziellen Messdaten werden von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erhoben.

Testprojekt Straßenreinigung

In einer ersten Projektphase wurden in der Landeshauptstadt Stuttgart vom 1. März bis zum 6. April 2017 Fahrspuren sowie Gehwege rund um die Messstelle "Am Neckartor" in einer Kombination aus Wasserdruckreinigung und Absaugung sowie mechanischer Reinigung intensiv gesäubert. Damalige Auswertungen zeigten Indizien, dass diese Form der Straßenreinigung einen positiven Effekt auf die Feinstaub-Werte am Neckartor haben könnte. Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats hat daher Ende Juli 2017 mit breiter Mehrheit die Fortsetzung des Testprojekts beschlossen.

Mit Beginn der neuen Feinstaubalarm-Periode Mitte Oktober 2017 wurde das Testprojekt "Straßenreinigung Feinstaub" unter Federführung der Dekra fortgesetzt. Die Fahrspuren und Gehwege rund um das Neckartor werden seit dem 16. Oktober 2017 bis zum Ende der Feinstaubalarm-Periode am 15. April 2018 von Sonntag bis Freitag zwischen 22 und 5 Uhr gereinigt. Erste Auswertungsergebnisse werden im Frühsommer 2018 erwartet.

Im Umfeld der Messstelle 'Am ­Neckartor' werden die Fahrspuren nachts intensiv gereinigt. Foto: Max KovalenkoIm Umfeld der Messstelle 'Am ­Neckartor' werden die Fahrspuren nachts intensiv gereinigt. Foto: Max Kovalenko

Testprojekt Mooswand

Im Labor wurde die Filterwirkung von Moosen bereits erfolgreich getestet, doch wie arbeiten sie großflächig und unter Realbedingungen an einer Hauptverkehrsstraße? Eine Mooswand soll genau das herausfinden. Sie befindet sich auf einem Grünstreifen direkt an der B14/Cannstatter Straße unweit der Messstelle "Am Neckartor". Sie ist 300 Quadratmeter groß. Der Pilotversuch wird quasi als Grundlagenforschung mit den Projektpartnern der Universität Stuttgart, dem Institut für Tragkonstruktion und konstruktives Entwerfen und dem Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik sowie mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Baden-Württemberg durchgeführt. Der Gemeinderat hat für das Testprojekt Mittel in Höhe von 388 000 Euro bereitgestellt. Zudem fördert das Verkehrsministerium Baden-Württemberg die Pilotstudie mit 170 233 Euro. Ende Juni soll die Wand vollständig abgebaut werden, dann liegen auch Ergebnisse des Testversuchs vor. Erst danach kann bewertet werden, ob Mooswände tatsächlich gegen Feinstaub helfen.

City-Logistik

Zu den wichtigsten Fragen für alle Städte zählen: Wie erreichen Waren, Güter und Produkte die Kunden und wie können Lieferfahrten vermieden werden? Stuttgart hat darauf zahlreiche Antworten gefunden. Beispielsweise unterstützt die Stadt das Projekt LogSpaze, bei dem Waren an zwei Punkten in der City gebündelt (so genannte Mikrohubs) und unter anderem mit Sackkarren und Lastenrädern in die Läden gebracht werden. Durch den Einsatz elektrischer Fahrzeuge vom Fahrrad bis zum Lkw soll der Lieferverkehr in der Innenstadt umweltfreundlicher werden. Eine weitere Idee ist, dass Logistikunternehmer freie Stellplätze in Parkhäusern nutzen und anschließend Lastenräder für die letzte Meile einsetzen. Um alle Projekte gut zu vernetzen, arbeitet die Stadt intensiv mit Partnern aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und aus Verbänden zusammen.

Stadteigene Mobilität

Die Stadt setzt auf eine systematische und vollständige Umstellung des städtischen Fuhrparks auf emissionsarme beziehungsweise emissionsfreie Mobilität. Dafür investiert die Stadt derzeit 300 000 Euro pro Jahr. Aktuell sind für die Stadt acht Hybridfahrzeuge, neun vollelektrische Pkw, 16 E-Roller und 25 Pedelecs im Einsatz. Zudem erprobt das Garten-, Friedhofs- und Forstamt drei elektrische Lastenräder. Daneben gibt es Pilotprojekte mit vollelektrischen Leicht-Lkw, vollelektrischen Kehrmaschinen sowie einem ebensolchen Radlader. Die Stadtwerke Stuttgart sind 2016 mit dem E-Roller-Mobilitätsangebot "stella-sharing" an den Start gegangen. Zunächst waren 15 Roller im Einsatz, 2017 waren es 75. In der Saison 2018 können ab Mitte März 100 E-Roller gemietet werden. Die Stadt gewährt ihren Mitarbeitern Gehaltsvorschüsse für die Beschaffung von Fahrrädern oder Pedelecs ab einem Wert von 1000 Euro.

E-Mobilität: Fuhrpark der StadtDer Fuhrpark der Stadt wird konsequent auf emissionsarme beziehungsweise emissionsfreie Fahrzeuge umgestellt. Foto: Leif Piechowski

Elektromobilität

Die Landeshauptstadt ist Vorreiter bei der Förderung der Elektromobilität. So gibt es in Stuttgart rund 370 öffentliche Ladepunkte und damit eines der dichtesten Ladesäulen-Netze in Deutschland. Bereits seit 2012 dürfen E-Fahrzeuge auf städtisch bewirtschafteten Flächen kostenfrei parken. Mit dem Elektro-Taxi-Aktionsplan (ETAP) ist im Jahr 2017 eine wichtige Planungsgrundlage entstanden, um die Stuttgarter Taxiflotte möglichst rasch auf E-Antriebe umzustellen. Ein eigenes Förderprogramm hierzu ist in Vorbereitung. Zu der vollständigen Umstellung des städtischen Fuhrparks und den Pilotprojekten mit E-Fahrzeugen bei der Stadtverwaltung kommt unter anderem noch ein Projekt "Elektrische Fahrschulfahrzeuge" hinzu. Auch Sanierungs- und Neubaugebiete sollen mit ausreichend Ladekapazitäten für einen breiten Einsatz der E-'Mobilität ausgestattet werden.

Ausbau Fuß- und Radverkehr

Der Ausbau des Fuß- und Radverkehrs spielt eine wichtige Rolle im städtischen Mobilitätskonzept. So wird für 3,4 Millionen Euro erstmals ein eigenes Investitionsprogramm Fußverkehr bis 2022 aufgelegt, das ein Netz von Hauptfußwegen und Flanierrouten in den fünf Stuttgarter Innenstadtbezirken schaffen soll. Das Konzept soll den Fußverkehr in Stuttgart fördern und als wichtigen Verkehrsträger stärken. Im Talkessel wird ein Drittel aller täglichen Wege zu Fuß zurückgelegt.

Darüber hinaus investiert die Stadt weiter in den Ausbau des Radverkehrs. Allein im Doppelhaushalt 2018/2019 sind zusätzlich rund 7,6 Millionen Euro für den Ausbau der Hauptradrouten und weiterer Radwege vorgesehen. Dies entspricht nahezu einer Verdopplung des ursprünglichen Rad-Etats. Im Sommer 2018 startet das neue Verleihsystem RegioRadStuttgart mit deutlich mehr Fahrrädern, Pedelecs und Abstellstationen als bisher.

Betonplatten mit Titandioxid

Derzeit werden in mehreren Bauprojekten zur Umgestaltung des Straßenraums Plattenbeläge mit Titandioxid ­eingesetzt. Sowohl am Kronprinzplatz in der Innenstadt als auch im Bereich der Furtbachstraße im Stuttgarter ­Süden sowie im Bereich des Dorotheenquartiers wurden die Betonplatten eingesetzt. Zwar ist grundsätzlich erforscht, dass die Titandioxid-Platten Stickoxide abbauen, jedoch müssen Auswirkungen am konkreten Einsatzort überprüft werden. Vorbelastungen und klimatische Rahmenbedingungen spielen hier eine wichtige Rolle.