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Landeshauptstadt Stuttgart

Fokusthema

Können Sie sich Klimaneutralität vorstellen?

Wie würden Sie eine erstrebenswerte Klima-Zukunft beschreiben? Wir haben sie skizziert: Könnte so ein klimaneutrales Stuttgart aussehen?

Fassadenbegrünung im Stuttgarter Westen

Neuer Wohnkomfort in sanierten Gebäuden

Effizienter Klimaschutz bedeutet insgesamt mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität. Die Wohnqualität steigt. In auf höchsten Standard sanierten Gebäuden lebt es sich besser. Investitionen in Gebäude sind wertvoller, wenn die Gebäude auf die neuen Anforderungen ausgerichtet sind. Solarstrom und andere erneuerbare Energien wie Geothermie decken den Energiebedarf. Dächer und Fassaden, an denen keine Fotovoltaik-Anlagen installiert sind, sind mit Fassadengrün oder wildem Wein bewachsen. Gepflegte Innenhöfe, begrünte Einfahrten und urbane Gärten dienen als Oasen der Erholung. Schattige Plätze und Zisternen sorgen für Verdunstung und Abkühlung.

Reine Luft mit sauberer Energie und moderner Mobilität

Effiziente Wärmenetze bieten Versorgungssicherheit und Komfort. Gebäude gewinnen ihre Energie aus Solaranlagen, Kleinwindanlagen und Wärmepumpen. Bürgerinnen und Bürger verdienen Geld mit erneuerbaren Energien. Integrierte Energie‐ und Mobilitäts‐Lösungen im Quartier bieten Vorteile für das ansässige Gewerbe. Moderne urbane Mobilität ist leiser, sorgt für weniger Luftbelastung und berücksichtigt individuelle Bedürfnisse. Speditionen sorgen für eine klimaneutrale Logistik – nicht nur in der Innenstadt.

Firmenparkplätze sind deutlich flächenarmer, elektrifiziert und mit PV überdacht. Es gibt mehr Fahrradstellplätze, Ride-Sharing und ein gewachsenes Klimabewusstsein sowie mehr Grünflächen zum Aufenthalt der Mitarbeitenden.

Mehr Platz fürs Leben, Feste und Veranstaltungen

Stuttgart ist auch insgesamt eine Stadt mehr für die Menschen und das Beisammensein bei Festen und Veranstaltungen geworden. Menschen haben die Plätze liebgewonnen, an denen sie in der Stadt zusammentreffen. Öffentliche Räume, an denen sie sich mit menschlicher Geschwindigkeit begegnen. Orte, an denen Kinder die Welt entdecken. Dem dienen eine fuß- und fahrradfreundliche Infrastruktur mit breiten Fußgängerzonen und sicheren Radwegen sowie begrünte kühle Plätze. Im Vergleich zum Status Quo ist mehr Platz entstanden, der für Wohnen, Erholung und eine neue Aufenthaltsqualität genutzt werden kann. Sogar in den Stadtteilen konnten so Erholungsgebiete entstehen, die fußläufig erreichbar sind. 

Intelligente Verkehrsleitsysteme, Mobilitäts-Hubs und die Digitalisierung in Fahrzeugen verändern die Mobilitätsangebote. Auch der öffentliche Nahverkehr ist attraktiver und sicherer geworden – dank neuer Fahrgastsysteme und digitaler Kommunikation. Autos, ÖPNV und auch der Güter- und Flugverkehr sind komplett elektrifiziert, teilweise auf Basis von grünem Wasserstoff.

Klimaneutrale Waren und Dienstleistungen

Ein Überfluss aus erneuerbarer Energie bereitet die Grundlage für neue Wertschöpfung. Superpower – günstiger überschüssiger Strom aus erneuerbaren Quellen – eröffnet vollkommen neue Geschäftsfelder. Innovative Ideen werden Wirklichkeit und Innovationen stärken die Wirtschaft im Ländle. Unternehmen entwickeln Waren und Dienstleistungen für die neuen Bedürfnisse, produzieren sie klimaneutral, erzeugen Strom, Wärme und Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und speisen Überschussmengen in Netze ein. Das Fernwärmenetz in der Stadtmitte wurde verdichtet und erweitert. Als Wärmequelle dienen erneuerbare Energien. Quartiere und Stadtbezirke außerhalb der Stadtmitte nutzen klimaneutrale Nahwärmenetze. Das Gasnetz hat sich zu einer Austauschplattform für grünen Wasserstoff und Biomethan entwickelt. 

Streben nach Gerechtigkeit und regenerative Systeme

Unternehmen überbieten sich förmlich darin, wie positiv sich ihr Handeln auf die Menschen und die Umwelt auswirkt. So entsteht ein neuer Respekt für herausragende Wirtschaftsleistungen, die Ungerechtigkeiten beseitigen – sei es zwischen Menschen, gegenüber Natur- und Tierwelt oder dem Klima. Die Wirtschaft und die Gesellschaft denken in regenerativen Systemen, legen Wert auf minimalen Ressourceneinsatz, hohe Effizienz und die Nutzung von Materialkreisläufen.

Neue Baukultur aus nachwachsenden Rohstoffen

Es ist eine neue Baukultur der Moderne entstanden, die auf Holz und nachwachsenden Rohstoffen basiert. Gebäude werden nicht mehr aus verklebten Verbundmaterialien hergestellt, sondern sortenrein, modulartig und wandelbar errichtet. Sie können repariert, rückgebaut und erweitert werden und sich flexibel auf neue Funktionen ausrichten. Ein Gebäude-Materialpass macht die verbauten Rohstoffe sichtbar, sodass das Abfallaufkommen aus der Baubranche von über 50 Prozent im Jahr 2021 auf unter 5 Prozent im Jahr 2035 gesunken ist.

Langlebigere Beziehungen statt Konsum und Wegwerfen

Auch in der Breite der gewerblichen und industriellen Wirtschaft hat das Kreislaufprinzip Eingang gefunden. Produkte werden auf lange Lebenszeit optimiert, klimaneutral produziert und mit Rohstoff- und Reparaturkonzept ausgeliefert. Die Wegwerf-Wirtschaft, unbekannte Verbundmaterialien und giftige Erdöl-/Plastikprodukte sind aus dem Alltagsleben verschwunden. Die Überfluss-Gesellschaft hat sich zu einer Gesellschaft entwickelt, in der nicht mehr der Konsum, sondern menschliche Beziehungen und das soziale Miteinander für Zusammenhalt und Anerkennung sorgen. Die Menschen sind mehr füreinander da und leben ein bewusstes zufriedenes Leben.

Die Natur kehrt in die Stadt zurück

Die Stadt bietet durch eine flächendeckend grün-blaue Infrastruktur ein naturnahes Stadtbild und viel Hitzeschutz: Zahlreiche hitzeresistente Bäume sorgen für Entspannung und bieten Schutz vor der Sonne. Wasserflächen und Brunnen sorgen für Kühlung, bieten Kindern die Möglichkeit zum Experimentieren mit dem Element Wasser oder lindern den Hitzestress für die älteren oder geschwächten Menschen. Überall in der Stadt sind Trinkwasserspender vorhanden. Starkregen und Hochwasser kann über die neuen Wasserläufe besser abfließen. Die Stadt ist geprägt von neu entdeckter Grünfläche, die nach der Entsiegelung die Lebens-, Boden- und Wohnqualität erhöht, das Mikroklima spürbar verbessert und wieder den urbanen Anbau von Nahrungsmitteln erlaubt.

Ein neues Bewusstsein für gesunde Ernährung

Bewusste Ernährung ist gesund und schützt vor Krankheiten. Der Trend zu einem neuen Ernährungsbewusstsein macht den regionalen, saisonalen und plastikfreien Einkauf zum Standard. Die internationale Spitzenküche blickt auf die neuen Kreationen der Gastronomie, die Klimaschutz und Genuss verbinden. Lebensmittel werden mehr geschätzt und in den richtigen Mengen verwertet, so konnte vor allem die Gemeinschaftsgastronomie und Außer-Haus-Verpflegung große Fortschritte machen und die Lebensmittelverschwendung eingrenzen. Pflanzliche Eiweiße sorgen für einen ausgewogenen Speiseplan. Die Landwirtschaft profitiert von klimafreundlicher, regenerativer Flächenbewirtschaftung und wird so resistenter gegen Extremwetter. Pflanzliche Biodiversität gewinnt nicht nur in der Landwirtschaft an Bedeutung, sondern wird auch als Gewinn auf den Speisekarten erkannt. Neue Anbaumethoden für Nahrungsmittel wie das „Vertical Farming“ finden auch im urbanen Raum Anwendung. Menschen verstehen wieder mehr, was sie essen, wie Essen hergestellt wird und welche Ernährung für die geistige Fitness, Gesundheit und Lebenserwartung wichtig ist.

Mehr gemeinsame Zeit und mehr Zusammenhalt

Es sind starke Communities in den Quartieren entstanden, weil die Bevölkerung mitentscheidet, wie die öffentlichen Flächen genutzt werden sollen. Es leben, essen und feiern wieder mehr Menschen gemeinsam. Die Stadt- und Quartiersplanung berücksichtigt alle Zielgruppen und macht entsprechende Angebote für Jung und Alt, Mann und Frau, Familien und Singles. Der Vereinsamung der älteren Menschen und Single-Haushalte ist unsere Gesellschaft mit neuen Wohnformen für mehr sozialen Zusammenhalt begegnet. In den Wohngebäuden selbst finden sich Elektrogeräte mit den besten Effizienzlabeln, die Leuchten haben moderne LED-Technologie. 

Mehr "Quality Time"

Digitalisierung, künstliche Intelligenz und eine gewachsene Produktivität haben den Arbeits- und Karrieredruck reduziert, die Gesellschaft kann sich eine 30 Stundenwoche als Regelarbeitszeit gönnen. Dadurch steigt das zivilgesellschaftliche Engagement in gemeinnützigen Vereinen, Initiativen und Netzwerken. Zudem sinkt der Altersdurchschnitt, wann Paare Kinder bekommen, und die Geburtenrate steigt stetig. Die Lebens- und Aufenthaltsqualität, die wirtschaftliche Stärke und der Wohlstand sowie die Resilienz gegen Hitzestress und Extremwetter erreichen Bestnoten.

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Bildnachweise

  • Stabsstelle Klimaschutz, Landeshauptstadt Stuttgart
  • LHS, Kolb
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