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Landeshauptstadt Stuttgart

Kulturpreise und Stipendien

Hannsmann-Poethen Literaturstipendium

Das Hannsmann-Poethen-Literaturstipendium ist ein bundesweit einmaliges Tandem-Stipendium. Die Landeshauptstadt Stuttgart verleiht es an eine*n Autor*in sowie eine*n Künstler*in einer anderen Sparte, die gemeinsam ein literarisch-künstlerisches Projekt in Stuttgart umsetzen.

Hannsmann-Poethen-Stipendium 2022

Für ihr transdisziplinäres Projekt "Electrical Jungle" erhalten die Autorin Kinga Tóth und die Komponistin Silvia Rosani das Hannsmann-Poethen-Literaturstipendium der Landeshauptstadt Stuttgart 2022. Eine Fachjury entschied über die Vergabe des spartenübergreifenden Stipendiums an die beiden Künstlerinnen in ihrer Sitzung am 4. Oktober 2021. Um das Stipendium hatten sich 40 Künstler*innen-Tandems beworben.

Während des Stipendiums beschäftigen sich Kinga Tóth und Silvia Rosani mit feministischen Reaktionen auf männlich dominierte Gesellschaftsstrukturen. Dabei setzen sie sich mit dem weiblichen Körper auseinander und damit, wie nonverbale weibliche Kommunikation digital dargestellt werden kann.

Die Künstlerinnen wohnen und arbeiten bis April 2022 in der  Gedok Stuttgart (Öffnet in einem neuen Tab).

Die „körperlose Frau“: Während ihres Stipendiums untersuchen die Künstlerinnen unter anderem, wie Grenzen des weiblichen Körper sozial konstruiert werden.
Die Stipendiatinnen Silvia Rosani und Kinga Tóth bei der Präsentation ihres Projekts "Electrical Jungle" in der Gedok Stuttgart.
Performance und Gespräch mit den Stipendiatinnen und der Leiterin der Gedok Stuttgart, Christiane von Seebach.
Die Autorin Kinga Tóth bei der Präsentation eines Textes in der Gedok Stuttgart.

Projektvorhaben

In ihrem Projekt "Electrical Jungle" reagieren Kinga Tóth und Silvia Rosani mit den Mitteln der Kunst auf männlich dominierte Gesellschaftsstrukturen. Während ihres Stipendiums beschäftigen sich die beiden aus feministischer Perspektive mit dem weiblichen Körper in seiner Verbindung zur Natur sowie mit weiblicher Kommunikation im Kontext von digitalen Strukturen. Grundlage des transdisziplinären Projekts ist zum einen das Gedicht "Maurersfrau", das Kinga Tóth schrieb, als das ungarische Parlament die Istanbul-Konvention des Europarats zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen nicht ratifizierte, zum anderen die feministische Theorie von Rosi Braidotti.

Die Künstlerinnen streben im Rahmen ihres Stipendiums eine interaktive Installation an, die Gegenstand einer Performance-Reihe sein wird. In einem stilisierten Haus, dessen Geräte von einer von Silvia Rosani entwickelten App gesteuert werden, erfahren Besucher*innen Fremdeinwirkung, Hierarchie sowie Gefühle der Ohnmacht. Die Szenerie wird durch „organlose Frauen“ der visuellen Künstlerin Szabina Péters ergänzt, im Sinne einer grundsätzlichen Offenheit für jegliche Zusammenschlüsse mit anderen Frauen oder Naturelementen. Weitere geplante Formate sind monatliche Radiosendungen mit Stuttgarter Künstlerinnen zu deren künstlerischer Arbeit und Bezugnahme auf Themen wie häusliche Gewalt, Geschlechtergerechtigkeit und soziale Nachhaltigkeit.

Außerdem werden Silvia Rosani und Kinga Tóth thematisch anknüpfende Workshops für junge Künstler*innen durchführen, bei denen einige technologische Hilfsmittel für die Bereiche Performance, Sound und Schreiben vorgestellt werden.

Eine erste Vorstellung ihres Projekts gaben die Stipendiatinnen im Rahmen des  Eclat Festival Neue Musik (Öffnet in einem neuen Tab) am 4. Februar 2022 sowie im 8. März in der  Gedok Stuttgart (Öffnet in einem neuen Tab). Bis Mitte April 2022 werden die beiden Künstlerinnen in Stuttgart an ihrem Kunstprojekt "Electrical Jungle" arbeiten. Geplant ist die Installation und Performance von Electrical Jungle im November 2022 in Stuttgart. Weitere Informationen dazu folgen.

Die Stipendiatinnen

Die Autorin Kinga Tóth ist auch Musikerin, Sängerin, Bild- und Klangpoetin.

Kinga Tóth, geboren in Sárvár, Ungarn, schreibt und veröffentlicht Kurzgeschichten, Gedichte und Theaterstücke in deutscher, englischer und ungarischer Sprache. Sie ist Musikerin, Sängerin, Bild- und Klangpoetin und präsentiert ihre Arbeiten in internationalen Performances, Ausstellungen und Installationen. Kinga Tóth ist zudem als Philologin und Lehrerin tätig, arbeitete als Journalistin und Redakteurin für Kunstmagazine und organisierte verschiedene Kulturprogramme. Für ihre intermediale Kunst- und Literaturarbeit erhielt sie 2020 den Hugo-Ball-Förderpreis und den Bernard-Heidsieck-Literaturpreis für ihr performatives-literarisches Werk. 2021 ist Kinga Tóth Gastkünstlerin in der Villa Waldberta.  Mehr (Öffnet in einem neuen Tab)

Die Komponistin Silvia Rosani beschäftigt sich mit Musiktechnologie sowie der Beziehung zwischen Klang und Text.

Silvia Rosani, geboren in Mailand, Italien, ist Komponistin. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Musiktechnologie, der Beziehung zwischen Klang und Text und innovativen Wegen, um das Publikum im Rahmen von weniger hierarchischen Veranstaltungen zu beteiligen. Sie hat in Udine bei Renato Miani und an der Universität Mozarteum Salzburg bei Reinhard Febel Komposition studiert. Sie promovierte an der Goldsmiths Universität London, wo sie auch Komposition unterrichtete. Zudem studierte sie Elektronisches Ingenieurwesen in Triest. Ihre Stücke werden von verschiedenen Ensembles auf internationaler Ebene gespielt. Zurzeit unterrichtet sie Elektroakustische Musikkomposition am Staatlichen Konservatorium für Musik in Benevento.  Mehr (Öffnet in einem neuen Tab)

Begründung der Jury

„Silvia Rosani und Kinga Tóth setzen sich in ihrem Projekt mit einem drängenden europäischen Thema auseinander − patriarchale und chauvinistisch geprägte Gesellschaften − und machen zugleich die eigenständige und subtile Kraft der Kunst erlebbar“, so die Begründung der Jury für ihre Entscheidung. „Die Künstlerinnen verbindet seit einigen Jahren eine regelmäßige Zusammenarbeit. In ihren Arbeiten behandeln sie stets kritisch und differenziert gesellschaftlich hochrelevante Themen. Die hybride, experimentelle Performance-Installation der Künstlerinnen nutzt digitale Technologien, um die Ambivalenz des Stoffes immersiv erlebbar zu machen. Sie verbindet das anwesende Publikum mit Menschen, die durch eine App von jedem Ort der Welt aus in das Werk eingreifen können. Themen wie Fremdbestimmung und Ausgeliefertsein sind so unmittelbar erfahrbar.“

Kulturamt

Neda Pouryekta

Symbolbild Personen-Kontakt
Fachreferentin

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Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Szabina Peter und Kristof Janos Bodnar (blanche the vidiot)
  • Katrin Schacher
  • Johannes Zimmermann, Stuttgart
  • Katrin Schacher
  • Kinga Tóth, privat
  • Xenia Leidig, ZKM
  • Matthias Fritsch
  • Matthias Fritsch
  • Matthias Fritsch
  • Frank Kleinbach
  • Frank Kleinbach
  • Frank Kleinbach
  • Lara Hampe
  • Martin Sigmund
  • Martin Sigmund
  • Martin Sigmund
  • Studio Tillack Knöll GbR
  • Peter Palec, Discodöner/Stadtbibliothek Stuttgart
  • LHS Stuttgart - Fotograf Phi Dang
  • The Real Office - Fotograf Florian Model